Jahresrück- und ausblick

Nun ist das neue Jahr schon zwei Wochen alt, und erst jetzt folgt mein Rückblick. Da der Blog ohnehin nicht besonders voll ist, bleibt es ein kurzer Beitrag.

Ich nutze diesen Post, um ein paar offene Enden zu schließen.

Fantasy-Systeme: Ein Rückblick

Im August begann ich, darüber nachzudenken, welches Fantasy-System sich für eine längere Kampagne eignen könnte. Für mich war das auch eine Gelegenheit, nach Jahren der Abstinenz wieder in das Setting einzutauchen. Wie so oft, wenn man sich feste Vorgaben macht, werden diese beim Ausprobieren und Testen über den Haufen geworfen.

Drei erwähnenswerte Systeme kamen noch hinzu: Der Eine Ring, Dungeon World und RuneQuest/Mythras. Der Eine Ring und Dragonbane konnte ich bisher nicht spielen, aber basierend auf meinen bisherigen Eindrücken stehen sie weit oben auf meiner Liste.

Dungeon World gefällt mir gut, allerdings empfinde ich die Charakterentwicklung – speziell die Fertigkeiten – für eine längere Kampagne als etwas schwach. Außerdem hängt der Spielspaß stark von der gewählten Klasse ab.
Als Spieler würde ich mir wohl eine Pathfinder-2-Runde suchen. Als Spielleiter werde ich entweder Der Eine Ring oder Dragonbane ausprobieren, je nachdem, wie sehr mich die Systeme ansprechen. Falls diese doch nicht meinen Vorstellungen entsprechen, wird es RuneQuest/Mythras. Und falls ich merke, dass mir etwas anderes lieber ist, ist ja nichts in Stein gemeißelt.

Kampagnen-Update

— Spoiler ahead —
In der Kampagne Masken des Nyarlathotep sind wir mittlerweile im zweiten Kapitel angekommen: London.

New York war als Einstieg eher holprig. Die Fülle an Hinweisen machte es schwierig, den Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Besonders, da die Gruppe recht früh das Ju-Ju House als Höhepunkt untersuchte, fühlte sich der Abschnitt zum Ende hin zäh an. Trotz des durchwachsenen Starts hat es Spaß gemacht, aber im Vergleich zu London – wo wir bisher zwei Sitzungen hatten – wirkte es eher schwach.
— Spoiler ends —

Gedanken zur Neuauflage

Die Neuauflage der Masken empfinde ich persönlich als sehr aufgebläht. Es gibt viele hilfreiche Inhalte, allerdings sind diese oft mitten in den Texten zu Personen oder Hinweisen eingebettet. Das macht das Arbeiten auf Papier zu einer mühsamen Angelegenheit, da ich ständig hin- und herblättern muss. Warum die Roll20-Umsetzung so spät für die Allgemeinheit verfügbar war, verstehe ich auch nicht – ob das die Sache jedoch wirklich erleichtert, bleibt fraglich.

Froschkönig-Fragmente

Leider habe ich es im letzten Jahr nicht geschafft, die Froschkönig-Fragmente anzubieten. Dafür leite ich sie dieses Jahr gleich zweimal. Beide Runden sind bereits voll, und die erste hat auch schon begonnen.

Anfangs empfand ich den Text als zu umfangreich, aber beim Lesen merkte ich schnell, wie gut strukturiert das Szenario ist. Im Gegensatz zu den Masken gibt es keine unnötigen Dopplungen, und die 222 Seiten (inklusive Handouts) lassen sich gut bewältigen. Einziges Manko: Eine Zeitleiste hätte ich mir gewünscht, da die Reihenfolge der Ereignisse wichtig ist.

Dass ich den Froschkönig verschieben musste, zeigt, wie schwierig es manchmal ist, Rollenspiel-Termine zu planen. Aus einem One-Shot wird ein Two-Shot, aus fünf geplanten Runden werden sieben – und dann kommt auch noch das Leben dazwischen. Deshalb bin ich mittlerweile vorsichtiger mit festen Terminen. Stattdessen sage ich nur, was ich noch vorhabe, und nicht, wann ich es umsetzen werde.

Ausblick

Als Nächstes steht bei mir Der Eine Ring auf der Liste. Unsere Gruppe wird voraussichtlich im September/Oktober die Masken-Kampagne abschließen. Im zweiten Quartal plane ich außerdem den Start einer Kampagne, die auf Twitch gestreamt wird.

Einen großen Nachfolger zu den Masken wird es von mir nicht geben – zumindest keine weitere Cthulhu-Kampagne. Stattdessen könnte ich mir etwas mit KULT, Mythos World oder einen SL-Wechsel vorstellen.

Abschied von Threads

Im Dezember hatte ich auf Threads eine kleine Statistik gepostet. Da ich mich von Threads verabschieden werde, halte ich die Zahlen hier fest:

Statistik 2024

  • 106 Sessions gespielt:
    • 53 als Spieler (11 One-Shots, 4 Few-Shots/Kampagnen)
    • 53 als SL (9 One-Shots, 4 Few-Shots/Kampagnen)

Gespielte Systeme: Cthulhu, KULT, Cypher (Predation, OGoA), TinyDungeon, Dungeon World, Monster of the Week, Fiasko, Pathfinder, Delta Green, R’lyehwatch

Statistik 2023

  • 138 Sessions gespielt:
    • 69 als Spieler (18 One-Shots, 3 Few-Shots/Kampagnen)
    • 69 als SL (18 One-Shots, 5 Few-Shots/Kampagnen)

Gespielte Systeme: Cthulhu, KULT, Mythos World, EZD6, V:tM, Katzhulu, SCP, Lovecraftesque, D&D

Der Abschied von Threads liegt schlicht daran, dass ich Short-Message-Dienste kaum noch nutze. Twitter hatte seinen Reiz, aber kein anderer Dienst kommt auch nur annähernd an das frühe Twitter heran. Ich bleibe bei Instagram – das reicht mir.

Kampagnenplanung und Stand der Dinge

Bevor ich es vergesse… So leite ich derzeit viele meiner Sätze ein. Ich switche zwischen verschiedenen Systemen, spiele in vielen Runden und leite auch noch selbst. Gerade habe ich mit den Masken des Nyarlathotep angefangen.
Es ist im Moment sehr viel, aber ich genieße jeden Moment, weil ich einige neue Dinge kennenlerne. Was ich aber ein wenig vermisse, ist eine Pause, in der ich etwas reflektieren kann. Ich brauche das; sonst nehme ich nur auf und kann es nicht für mich umsetzen.

Und bevor ich es vergesse, wollte ich dazu einiges schreiben, um den Zauber des Anfangs einzufangen. Wir sind bei der Masken-Kampagne nämlich schon fast mit dem Prolog fertig. Und außerdem wollte ich einen Zwischenstand zu meiner Entscheidungsfindung hinsichtlich eines geeigneten Fantasy-Systems geben (Drachen, Cypher und das Alter).

Allgemein freue ich mich aber auch darauf, wenn es wieder etwas ruhiger wird, ich mehr lesen und mehr Zeit in einzelne Runden investieren kann. Denn eines ist mir gestern klar geworden. Ich war auf Twitch und Manni und Cassandra von 3P haben über die vergangenen drei Jahre von 3P gesprochen. Dort erzählten sie, dass die Prozesse effektiver geworden sind, einfach weil es notwendig ist, Zeit zu sparen. Die Kampagneneinspieler waren früher auch länger, aber auch aufwendiger und zeitintensiver.
So etwas Ähnliches bemerke ich auch bei mir. Als ich vor zwei Jahren die ersten Szenarien online leitete, suchte ich Soundfiles heraus, gestaltete schöne Hintergründe und so weiter. Damals kam ich auf maximal zwei Runden im Monat, heute sind es dreieinhalb pro Woche. Ich habe nicht mehr die Zeit, mich so vorzubereiten wie am Anfang. Die Runden sind dadurch nicht schlechter geworden aber ich frage mich, ob mir dadurch nicht etwas fehlt. Die Vorbereitung hat mir nämlich auch sehr viel Spaß gemacht… manchmal… meistens ;).

Aktuell hängt dann noch die Aufbereitung zweier Szenarien in der Pipeline fest. Ich habe beide vor ein paar Wochen auf einem Collegeblock niedergeschrieben, bereits geleitet und arbeite gerade daran, sie so aufzubereiten, dass ich sie hier zum Download anbieten kann. Da darauf wahrscheinlich kaum Leute warten, im Gegensatz zu den Runden, hat die Arbeit daran für mich keine Priorität. Das Ganze wird aber nicht einschlafen und demnächst werden sie hier verfügbar sein. Definitiv will ich mehr Material für eigene Runden schreiben und diese dann hier bereitstellen.

Dabei hätte ich noch einiges, das ich anbieten könnte:

  • Eine KULT-Minikampagne
  • Eine Cypher-Predation-Minikampagne

Der Zauber des Anfangs – Wie ich mit den Masken startete

Vorweg: Ich plane, ab und zu einen Beitrag zur Maskenkampagne zu posten. Die Kampagne wird wohl 14 bis 18 Monate laufen; das ist sehr lang und ich kann da sicherlich einiges berichten. Es wird aber kein Kampagnentagebuch oder eine inhaltliche Zusammenfassung der Abenteuer sein. Ich persönlich finde eine Schritt-für-Schritt-Aufbereitung einer Kampagne schön, besonders wenn sie vollständig ist. Aber ich führe so eine Aufbereitung bereits stichpunktartig an zwei Stellen (unten näher beschrieben) und es wäre dann nichts anderes als Copy & Paste, außer dass ich das Ganze für den Blog noch ausführlicher gestalten würde. Es gibt aber schon einige Let’s Plays auf YouTube und zumindest eine gute Seite auf Englisch mit hervorragenden Beiträgen (Spoiler ahead). Deswegen spare ich mir vorerst diese Arbeit und stecke den Aufwand in die Kampagne.

Im Moment gibt es kein VTT, das meine Wünsche vollständig erfüllt. Mitunter sind die Charakterbögen für CTHULHU nicht gut genug oder das Dateimanagement ist eine Katastrophe. Ich habe Roll20 genommen, weil der Bogen aus der Community, übersetzt von Michael Jaegers, derzeit der beste ist. Außerdem kann man Roll20 als Discord-Aktivität nutzen, was etwas Platz bei mir spart (sofern es läuft). Ob es künftig nicht einfacher ist, die Bögen auf Papier zu haben oder ob es vielleicht reicht, eine PDF offen zu halten, werde ich beim nächsten Mal überlegen.

Und, wie man schon herauslesen konnte, ist Discord mittlerweile das Herzstück für unsere Runden. Es ist das Kommunikationstool mit eigener Community, besser gesagt mit einer Vielzahl an Communities, und das macht viel aus. Zum Vernetzen hat Discord alle anderen Netzwerke abgelöst – das mag man gut oder schlecht finden.

Um den Spielern Infos und Handouts zukommen zu lassen, ist Discord auch ganz okay, aber es wird mit der Zeit unübersichtlich. Daher habe ich mich für Kanka entschieden. Das Kampagnenmanagement-Tool kenne und nutze ich schon länger. Die Spieler haben die Möglichkeit, überall Notizen hinzuzufügen oder Beiträge anzulegen. Ich nutze es auch, allerdings ist es eher für die Ermittler gedacht.

Persönlich finde ich Obsidian wesentlich nützlicher als Spielleiter. Ich copy & paste daher meist aus Obsidian nach Kanka. Ob ich mir das künftig spare, weil ich mir vielleicht Obsidian Publish zulege, weiß ich noch nicht.

Nicht zu vergessen sind die Bücher, die hier als gedruckte Kopien herumliegen, damit ich sie nach Herzenslust anmarkern kann.

Einige Dinge gefallen mir nicht, aber es ist eine Menge Zeit, die die Gruppe und ich mit der Kampagne verbringen werden und ich werde, wenn ich neben der Vorbereitung und anderen RL-Dingen Zeit habe, versuchen, andere Ansätze zu testen und mich in einigen Bereichen zu verbessern.

KI ist auch so eine Sache. Ich war damals sehr von den Grafiken in der Kampagne überrascht. Der Charme der alten Schwarz-Weiß-Fotos ist ja länger nicht mehr überall bei Pegasus zu finden, aber dieser Stil der Porträts innerhalb der Kampagne ist echt… gewöhnungsbedürftig. Ich generiere daher alle NSC mit der KI neu. Auch das ist ein Thema, bei dem ich gespannt bin, welche Meinungen dazu in 18 Monaten vorherrschen werden.

Drachen, Chiffre und das Alter

Wer hätte bei dem Titel direkt an die gemeinten Rollenspielsysteme gedacht? Zugegeben, der letzte Begriff ist etwas tricky. Es geht um Dungeons & Dragons, Cypher und das AGE-System von Green Ronin, das nichts mit Alter zu tun hat (AGE steht soweit ich weiß für Action Game Engine). Dennoch fand ich das Wortspiel witzig und vielleicht spielt das Thema Alter doch eine Rolle bei dem Gedankengang, der diesem Beitrag zugrunde liegt.

Seit einiger Zeit habe ich wieder richtig Lust auf ein Fantasy-Setting. Dieser Wunsch wurde noch stärker, nachdem ich mir TinyDungeon zugelegt und ein paar Runden gespielt habe. TinyDungeon, wie auch die anderen Spiele der Tiny D6-Reihe, macht unglaublich viel Spaß. Durch seine Einfachheit eignet es sich besonders gut für Einsteiger im Pen&Paper-Bereich. Wenn ich sage, dass es sich ein wenig wie ein Brettspiel mit Rollenspielelementen anfühlt, ist das keineswegs abwertend gemeint. Die Regeln sind denkbar einfach: Eine Probe wird mit 2W6 geworfen, wobei eine 5 oder 6 einen Erfolg bedeutet. Bei einem Vorteil oder Bonus würfelt man mit 3W6, bei einem Nachteil oder Malus nur mit 1W6. Das war’s im Wesentlichen.

Alles Weitere wird durch Ausrüstungsgegenstände geregelt, etwa zusätzliche Aktionen oder erhöhter Schaden. Apropos Schaden: Es spielt keine Rolle, ob man einen Dolch oder ein Einhandschwert benutzt – beide verursachen nur einen (1) Schadenspunkt. Es gibt Waffen, die zwei Schadenspunkte verursachen, aber alles Weitere wird durch die Beschreibungstexte der Gegenstände festgelegt.

Das System ist super simpel, ideal für Leute, die keine Zeit oder Lust haben, sich in ein komplexes Regelwerk einzuarbeiten. Zeit ist schließlich kostbar. Und für Zwischendurch mag ich es sehr. Die verschiedenen Settings bieten zudem eine schöne Abwechslung.

Allerdings habe ich festgestellt, dass TinyDungeon für mich kein System ist, das ich fürD&D Player´s Handbook längere Kampagnen leiten oder spielen möchte. Ich wünsche mir etwas mehr Tiefgang, mehr Möglichkeiten zur Charakterentwicklung und umfassendere Regeln zum Nachschlagen. Als Spielleiter habe ich zudem wenig Interesse am Worldbuilding und lese mich lieber in bereits existierende Welten ein, um Inspiration für Abenteuer zu sammeln oder um direkt vorgefertigtes Material zu nutzen. Das fehlt in der Grundausstattung vom kleinen D6. Vielleicht liegt es daran, dass ich so lange Cthulhu gespielt habe, aber ich bevorzuge es, vorgefertigtes Material zu verwenden.

Kurz gefragt, was suche ich eigentlich?

In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht. Mein erster Gedanke war natürlich D&D oder Pathfinder, das ist auch die Richtung, die ich einschlagen möchte. Aber es gibt noch andere tolle Systeme. Ich habe mir sogar DSA 5 zugelegt – ich bin also offen für alles!

Was erwarte ich:

  1. Ein Stufensystem mit Charakterfertigkeiten, die sich nach Volk und Klasse unterscheiden (können).
  2. Die Regeln sollten taktisches Denken belohnen, ohne übermäßig komplex zu sein.
  3. Alle notwendigen Regeln sollten in einem einzigen Buch enthalten sein (ich denke hier insbesondere an Pathfinder und D&D, bei denen man anfangs festlegen sollte, welche Inhalte genutzt werden, um FOMO oder ein Mental Overload zu vermeiden).
  4. Die Bücher sollten zudem übersichtlich aufgebaut sein, nicht notwendig aber schön.
  5. Es sollte eine fertige Spielwelt sowie bestenfalls bereits vorhandene Kampagnen und Abenteuer geben oder leicht adaptierbar sein. (Ich habe derzeit kein Interesse an Worldbuilding, Kartengestaltung oder einem Build `em up-System.)
  6. Das Setting sollte reines Fantasy sein und darf gerne düster werden, aber kein Crossover mit SciFi, Steampunk etc.
  7. Da es sich um eine Online-Runde handelt, ist eine gute VTT-Lösung ebenfalls ein wichtiges Kriterium.

Welche Systeme stehen zur Auswahl?

Ich werde nicht alle, die es gibt, testen können und bevorzuge Systeme, die gut verfügbar sind und von denen es, sofern ich sie nicht schon besitze, Schnellstarter gibt (es ist schließlich auch eine Kostenfrage).

  • D&D 5E (2024) / Pathfinder 2E Remaster
  • Cypher Godforsaken
  • Dragonbane
  • 13th Age
  • Fantasy AGE
  • Savage Pathfinder
  • DSA 5
  • Splittermond
  • Ich überlege sogar, Pathfinder 1E einzubeziehen 🙂

(Die Reihenfolge spiegelt nur wider, wann ich auf die jeweiligen Systeme aufmerksam geworden bin.)

D&D und Pathfinder haben natürlich ihre Unterschiede, Vor- und Nachteile, aber es handelt sich nicht um grundlegend verschiedene Spielmechaniken, wie es etwa bei Cypher und D&D der Fall ist, weshalb ich sie zusammengefasst habe. Einige mögen jetzt sagen, dass XY auch wie Z ist. Das mag sein, aber dann habe ich mich da noch nicht eingelesen 😉

Und um das klarzustellen: Ich suche nicht das beste System, das allen anderen überlegen ist. Mir ist bewusst, dass es ein solches System nicht gibt. Ich suche ein System, das zu mir passt. Alle genannten Spiele haben ihre Eigenheiten, die sowohl viele Spieler als auch Spielleiter schätzen. Es geht immer darum, die eigenen Vorlieben im System wiederzufinden. Also bitte kein Salz – wir sind doch alle Rollenspieler. Das wollte ich nur mal anmerken.

Natürlich würde ich zu allen Systemen eine Testrunde als Spieler mitmachen. Leider ist das Angebot bei einigen Spielen eher dürftig, was ebenfalls ein Kriterium ist. Ich spiele schließlich nicht allein. Wenn ich keine Runde zusammenbekomme, fällt ein System weg. Bei meiner Vorauswahl habe ich das bereits berücksichtigt. Bei den oben genannten Systemen sollte es hoffentlich immer möglich sein, Mitspieler zu finden.

Die Werkzeugkiste

Die Dunkle Saat für Cthulhu war meine erste Online-Kampagne als Spielleiter. Bei der Vorbereitung habe ich mir die Frage gestellt: Welche Tools brauche ich, was wird genutzt und wie unterscheidet sich die Vorbereitung im Vergleich zu einer Kampagne am Tisch?

Und wie bei vielen Fragen lautet die Antwort: Es hängt davon ab! Die letzten Runden, die ich am Tisch gespielt habe, waren sozusagen hardcore analog, d.h. wir hatten lediglich eine WhatsApp-Gruppe zum Terminfinden und Shitposten, das wars. Andere Tischrunden und Spielleiter nutzen Datenbanken, Map Editor, online Journale. Für meine online One Shots greife ich auch gerne auf diverse Tools zurück Da heißt, einen wirklichen Unterschied gibt es weniger von analog zu digital als vielmehr von Spielleiter zu Spielleiter. Trotzdem ist eine Kampagne etwas anderes als ein One Shot, wie habe ich mich also vorbereitet?

Die Kommunikation

Von vornherein war klar, dass wir über Discord kommunizieren würden, sowohl im Ingame-Chat als auch zur Organisation. Ich glaube, da gibt es im Moment keine bessere Alternative.

Charakterbogen

Charakterbogen auf Roll20
Charakterbogen auf Roll20
Auch hier war es von Anfang an klar, dass wir Roll20 und den Community-Bogen verwenden würden. Allerdings gab es hier meinerseits ein Problem, das im nächsten Punkt näher ausgeführt wird. Bisher hatte ich nämlich alle Handouts und Soundeinspieler auch über Roll20 organisiert. Das Dateimanagementsystem der Seite ist gelinde gesagt mehr als unübersichtlich und altbacken. Für One Shots ist es okay, weil da auch nicht so viel anfällt. Bei der Kampagne hatte ich schnell keine Lust mehr, Roll20 für die Dateien zu nutzen. Es kam hinzu, dass es auch eine Möglichkeit für die Protokollierung und für Notizen zu den Hinweisen geben sollte. Auch das ist bei Roll20 grundsätzlich möglich, aber eben sehr unübersichtlich. D.h. Roll20 fungierte nur als Würfeltool. 

Die Organisation

Und da Roll20 für die Orga raus war, brauchte ich Ersatz. Für die Verwaltung einer Kampagne gibt es einige Tools. Die einfachste Lösung ist wahrscheinlich Google Drive oder entsprechende Angebote. Als Spieler habe ich das schon genutzt, es ist nicht so schön, weil es den Charme von Büro hat, aber es erfüllt den Zweck. Schöner sind dann Kampagnenmanager wie Kanka oder WorldAnvil, auch gibt es da noch Obsidian oder ganz andere Möglichkeiten wie Joomla oder Blogs. Joomla, eine eigene Wiki oder Blogs kamen gar nicht erst in Frage. Der Aufwand, eine übersichtliche Kampagne damit aufzubauen, ist mir persönlich zu hoch und ich wüsste auch gar nicht, wie ich das vernünftig anlegen sollte. Eventuell eine gute Sache für diejenigen, die sich mit der Software auskennen. Obsidian war da genau so eine Lösung, die für mich in Frage kam. Ich benutze Obsidian schon länger, kenne mich damit gut aus und habe auch eine gute Vorstellung davon, wie ich eine Struktur reinbekomme. Und ich nutze es auch für meine SL-Notizen und Ausarbeitungen. Für eine Kampagne mit mehreren Spielern sprachen aber einige Sachen dagegen. Zum einen müsste man die Publish-Version haben, damit alle Zugriff haben, das ist ein Kostenfaktor, der allerdings im Folgenden relativiert wird. Zum anderen ist die Einbettung von Dateien nicht so schön. Letztlich war das eine Option, die Frage war ganz einfach: Gibt es da nicht etwas Intuitiveres?

Warum also nicht die Seiten probieren, die sich selbst als Kampagnenmanager bezeichnen? WorldAnvil kannte ich schon, es ist eine wundervolle Seite mit so vielen Möglichkeiten, von denen ich allerdings gar nicht so viele bräuchte. Die Weltschmiede ist exakt das, eine Weltenschmiede, bestens geeignet für Worldbuilding und Homebrew, würde ich meinen. Bei Cthulhu und generell Realweltsettings gibt es nicht allzu viele Dinge, die man neu anlegen oder bis ins Detail ausarbeiten muss, was die Welt angeht. Kanka bietet genügend Kategorien und ist für Cthulhu völlig ausreichend. Natürlich gibt es auch hier Kleinigkeiten, die ich gerne anders hätte. Abstriche gibt es wohl überall. Ich habe mich hier für ein Abo entschieden, also auch mit etwas Kosten, wahrscheinlich funktioniert die Free Version aber auch gut.

Ich habe mich als SL in Kanka verguckt, die Spieler fanden die Seite auch gut, also haben wir uns dafür entschieden. 

Nach Ende der Kampagne kann ich sagen, dass alles sehr gut geklappt hat und ich im Nachhinein froh bin über die Wahl von Kanka, wo die Dunkle Saat archiviert und für die Mitspieler immer noch einsehbar ist. Für die nächste Kampagne werde ich den gleichen Unterbau nutzen. 
Discord für die Kommunikation einschließlich Sound
Roll20 für den Charakterbogen und zum Würfeln
Kanka für die Organisation und Protokolle
Google Drive für eventuellen Dateiaustausch (größere Handouts etc.)

Notizen eines Spielleiters

Derzeit leite ich eine KULT-Kampagne – nicht die Schwarze Madonna, sondern etwas Eigenes. Es fühlt sich an, als würde ich das Rollenspiel von Grund auf neu kennenlernen, als wären es meine ersten Runden überhaupt. Für mich als Spielleiter ist das PbtA-System etwas völlig Anderes im Vergleich zu meinen Erfahrungen mit Cthulhu oder Pathfinder.

Dennoch breche ich nicht vollständig mit Cthulhu – zumindest habe ich das nicht vor. Bald werde ich auch dafür eine neue Kampagne beginnen. Die Masken liegen schon seit einiger Zeit bereit. Doch ich sehe deutliche Unterschiede, abgesehen davon, dass Die Masken eine fertige Kampagne ist. Die Vorbereitung ist wesentlich umfangreicher. Vielleicht ist das auch unfair. Die Cthulhu-Kampagne ist ein Klassiker, fast 40 Jahre alt, ständig erweitert und mit der Patina einer Legende überzogen. Tatsächlich ist es neben dem Spielen auch eine Verwaltungsaufgabe, die gefühlten 100 NSCs und deren Verbindungen untereinander im Hinterkopf zu behalten, Hinweise und Handouts bereitzuhalten und den roten Faden über eine Spielzeit von geschätzten 14 bis 18 Monaten (einschließlich Pausen) nicht zu verlieren.

Aber selbst bei vergleichbaren Kampagnen, die übersichtlicher und kürzer sind, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass die Spieler so stark involviert sind wie bei KULT. Bei Cthulhu steht meiner Meinung nach die Geschichte immer im Vordergrund. Es geht um das Mysterium und weniger um die Charaktere. Natürlich kann man beide Systeme auf unterschiedliche Weise spielen, aber darum geht es hier nicht. Ich mag Cthulhu gerade wegen seiner Eigenheiten, aber ich liebe KULT aus demselben Grund.

Ich glaube, Cthulhu hat seine Stärken für mich in kurzen Sessions, in denen eine Geschichte erzählt wird, während KULT für längere Runden gemacht ist, in denen die Spieler ihre Charaktere kennenlernen und ausspielen können. Die Geschichte baut sich dort um die Protagonisten herum auf.

Cthulhu: Charaktererschaffung

Die Erschaffung eines Ermittlers in Cthulhu ist einfach und schnell gemacht. Allerdings gibt es mehrere Methoden bzw. Varianten.

Auswürfeln: Die übliche Methode

In Cthulhu gibt es acht Attribute aus denen fast alles für den Ermittler abgeleitet wird.

AttributWird ermittelt durchBeschreibung
Stärke (ST)3W6x5Körperkraft
Konstitution (KO)3W6x5Allgemeiner Gesundheitszustand
Körpergröße (GR)2W6+6x5Kombination aus Gewicht und Größe
Geschicklichkeit (GE)3W6x5Schnelligkeit und Präzision in einer Handlung
Erscheinung (ER)3W6x5Körperliche Attraktivität und/oder Ausstrahlung und Persönlichkeit
Intelligenz (IN)2W6+6x5Analytisches Denken und Lernfähigkeit
Bildung (BI)2W6+6x5Wissen, Allgemeinbildung
Mana (MA)3W6x5Willenskraft und Entschlossenheit (sich Zaubern entgegenzustellen)

Glück wird auch mit 3W6x5 ermittelt

Werte, die sich ableiten lassen

Den Schadensbonus und die Statur liest man aus einer Tabelle ab. Man addiert ST und GR, dann vergleicht die Summe auf der Tabelle.

ST+GRSchadens-
bonus (Sb)
Statur
2-64-2-2
65-84-1-1
85-124keiner0
125-1641W4+1
165-2041W6+2

Auch die Bewegungsweite (BW) wird über eine Tabelle ermittelt

Die Trefferpunkte ergeben sich aus KO+GR geteilt durch 10
Die Magiepunkte ergeben sich aus MA geteilt durch 5

Die Kosten des Spiels

Pen&Paper ist echt ein günstiges Spiel und Hobby. Mit nur einem Regelwerk und etwas Fantasie kann man Jahre Spaß haben. Gut, die meisten, eigentlich alle, kennen die Realität. Es mag ganz klar Spieler geben, die nie etwas ausgeben und an den Abenden teilnehmen. Runde für Runde. Was ok ist.

Ich probiere gerne mit neuen Sachen ‚rum, komme aber nicht immer mit dem Testzeitraum von sieben oder 14 Tagen zu Recht. Daher abonniere ich mal eine Seite für einen oder zwei Monate, manchmal auch für ein Jahr…

Darunter fällt auch Inkarnate, eine Seite auf der man Maps erstellen kann. Das Jahresabo macht 25 €. Finde ich ok. Dazu muss man sagen, ich kann nicht zeichnen. Für meine Tischrunde habe ich Karten aus dem Netz geladen, als ich aber mehr im Netz machte, wollte ich, auch wegen Urheberrecht, auf Nummer sicher gehen. Die Karten eignen sich für Fantasy Settings. Für Cthulhu und real weltliche Settings kann man was basteln, hat aber immer diesen Zeichentrick Stil, den ich nicht so mag. Genutzt habe ich es für zwei Szenarien, bei denen ich Bodenpläne brauchte und kleine Hinweise wie in einem Wimmelbild versteckt habe. Auf der Seite kann man eine Menge Zeit verbringen und man wird schnell besser. Auf YT gibts auch zahlreiche Tutorials.

Wie bereite ich eine Kampagne auf? Dabei habe ich immer daran gedacht, wie schaffe ich einen Mehrwert für die Spieler und letztendlich auch für mich, wenn ich z. B. bestimmte Infos und Texte recyclen möchte. Klassisch markiere ich mir im PDF oder auf einem Ausdruck etwas an, schreibe mir Notizen dazu, lege Listen an etc. Jeder hat seine Vorgehensweise. Effektiv geht anders, finde ich und so habe ich mir den Worldbuilder WorldAnvil angesehen. Man kann die Seite als Freemember nutzen und es gibt dann noch drei Abomodelle. Dabei ist das kostenlose Konto sehr eingeschränkt und mit jeder Stufe kommen mehr Features hinzu. Wer eine längere Kampagne leiten möchte, sollte aber wenigstens das kleinste Abo für 62 €/Jahr abschließen. Darin enthalten ist eine unbegrenzte Anzahl an Artikeln (im Gegensatz zu 175 in der kostenlosen Variante) und 2 GB Speicher (100 MB). Mir war es aber wesentlich zu komplex. Es richtet sich an Worldbuilder, könnte man bei dem Namen natürlich vermuten. Für das Anlegen von NSC, dem Bereitstellen von Handouts und der Möglichkeit für die Spieler, Notizen und Protokolle zu hinterlegen, war es mir zu mächtig und von der Bearbeitung nicht einfach genug.

Für diesen Zweck habe ich Kanka. Das ist ein Kampagnenmanager und entspricht dem, was ich mir vorgestellt habe. Auch hier gibt es ein kostenloses Modell und drei Abos. Dabei unterscheiden sich die Abos neben der Uploadgröße und einem Einfluss auf die Entwicklung der Seite, nur durch die Anzahl der geboosterten Kampagnen und eine grundsätzliche Werbefreiheit. In der freien Version kann man so viele kostenlose Kampagnen erstellen, wie man möchte. Das ist an sich schon cool, wenn man aber ein paar Anpassungen machen möchte (Menüführung, Optik der Seite und Bilder in Beiträgen einfügen etc.), braucht man einen Booster. Für 5 €/Monat schließt man ein Abo mit einer Aufwertung ab, drei kosten 10 € und sieben machen dann 25 €. Für mich sind drei Aufwertungen gleichzeitig ausreichend. Wobei, und jetzt kommt das aber. Zwei Kampagnen laufen bei mir demnächst aus und ich bereite langsam die nächsten vor. Auch in Kanka. Und eben diese Dinge wie Menüanpassung, Flavourtexte und Karten hochladen sind Sachen, die ich in einem Rutsch mache. Es stellt kein großes Problem dar, Booster kann man leicht abziehen und neu vergeben, die Bearbeitung bleibt erhalten, man kann nur nichts mehr dahingehend hinzufügen. Trotzdem wünschte ich mir, einen flexibleren Umgang mit den Boostern, vielleicht dass man statt den festen Vorgaben in den Abos direkt Aufwertung monatlich beziehen kann oder dergleichen. Ansonsten bietet Kanka das, was ich mir wünsche. Einzelne Beiträge können von mir aber auch den Spielern angelegt und ergänzt werden. Durch die Rechtevergabe kann ich schon Artikel anlegen und sie erst später allen freigeben. Also ein richtiges Kampagnentool.

Ein kleines Update zu diesem Beitrag (oder eine Fortsetzung, wenn man so will) findet man auf fluffcrunch.blog

Cthulhu: Kampfregeln

Die Handlungsreihenfolge wird anhand der Geschicklichkeit (GE) festgelegt. Der Ermittler oder der Gegner mit der höchsten GE fängt an. Haben zwei im Kampf befindliche Charaktere die gleiche GE, entscheidet bei diesen die Kampffertigkeit.

Hinweis: Feuerwaffen erhöhen den Initiativewert um 50.

Alternative Regel: Bei längeren Kampagnen mit mehr Kämpfen kann diese festgelegte Reihenfolge durch auswürfeln (1W100) aufgelockert werden.

Hausregel: Bei Gleichstand des Initiativewertes können die Ermittler untereinander entscheiden, wer zuerst handeln darf.

Weiterlesen →

Cymothoa exigua in the Bay

Im Moment geht meine Freizeit für die Vorbereitung für Abenteuern drauf. Und auch für das Lesen in Cthulhu Quellenbüchern. Ich muss gestehen, dass mich die Bücher immer noch abholen, ob die alten oder die neuen. Es macht Spaß. Demnächst leite ich meine erste Runde online und für Halloween ist auch eine Session am Tisch geplant.

Dabei kommen andere Medien nicht zu kurz. Als ich folgenden Tweet sah (und einige Retweets dazu) musste ich mir unbedingt The Bay ansehen:

Der Film ist dadurch schon wieder durch die Realität etwas weniger gruselig. Scheinbar. Denn als ich etwas mehr zu den Hintergründen gelesen habe, stieß ich auf einen wirklich miesen kleinen Parasiten.

Aber kurz zum Inhalt. In der kleinen Stadt Claridge leben die Menschen vom Tourismus und einer großen Geflügelmaßentierfarm (gibt es das Wort?). diese wiederum leitet ihre Abwässer in die Bucht, in der die Stadt liegt. Nachdem eine Wasserfilteranlage gebaut wurde, fühlen sich die Einwohner allerdings sicher. Als dann ein Massensterben der Fische einsetzt, Vögel tot vom Himmel fallen und schlussendlich die Menschen krank werden und sterben, qualvoll!, beginnt man, sich zu fragen, was da so schief läuft. Einige Jahre vorher, gab es nämlich ein Reaktorunfall und irgendwie ist die Kombo aus Hühnermist und radioaktiver Strahlung dafür verantwortlich, dass ein kleiner Parasit, Cymothoa exigua, mutiert ist und sich auch Menschen als Wirt sucht. Über den Film schreibe ich sicher noch ausführlicher, interessant und auch erwähnenswert fand ich aber, den Parasiten Cymothoa exigua. Dieser ist nämlich echt gruselig. Er niestet sich an der Zungenwurzel des Fisches ein, ernährt sich von dessen Blut und wächst. Er wächst solange bis die Zunge des Wirtsfisches abstirbt, sobald dies geschieht, übernimmt die Assel die Funktion des Körperteils, um so seinem Opfer das Weiterleben zu ermöglichen. Ist einzigartig in der Biologie und schaurig, möchte ich meinen. Erst mit diesem Wissen, finde ich The Bay tatsächlich ein wenig gruseliger.
Wiki Eintrag zu dem kleinen Schelm

So, Cthulhu ruft 🙂

Was ist Horror?

Hor·ror
/Hórror/ Substantiv, maskulin [der]

1. auf Erfahrung beruhender, schreckerfüllter Schauder, Abscheu, Widerwille [sich mit etwas zu befassen]
„einen Horror vor etwas, vor bestimmten Leuten haben“

2. UMGANGSSPRACHLICH EMOTIONAL VERSTÄRKEND
schreckerfüllter Zustand, in den jemand durch etwas gerät
„die Mückenplage war ein Horror“

— In diesem Beitrag werden achtbeinige Krabbeltiere erwähnt! —

Was ist eigentlich Horror? Dabei stelle ich nicht die Genre-Frage, sondern will die Essenz dieses Begriffs aufspüren. Horror, das lese ich bei der obigen Definition, die Google ausgibt, ist etwas Subjektives. Etwas, dass auf Erfahrung beruht. Immer?
Eine Szene, wie sie tausendfach in der Filmgeschichte gedreht wurde: Eine Person steht an der Treppe, die in den Keller führt. Es ist dunkel, vielleicht steht ein geliebter Mensch dicht neben dem armen Charakter, drückt fest seine Hand, während dieser vergeblich versucht, das Licht anzumachen. So oft gelesen oder gesehen und fast nie ging es gut aus. Aber selbst wenn diese spezifische Darstellung nicht in unser Hirn gebrannt und mit Unheil verbunden wäre, würde es Heiterkeit oder doch eher Schauder hervorrufen? Gibt es also so eine Art kollektive Erfahrung, die uns gruseln lässt? Lovecraft schrieb den berühmten Satz:

Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten.

H. P. Lovecraft: Supernatural Horror in Literature, S. 12

Es gibt eine Urangst. Vor dem Tod, der Vergänglichkeit oder dem Unbekannten, ist im Prinzip das Gleiche. Daraus entstehen alle anderen Ängste und jeder bildet seine eigenen aus. Während einige Menschen Spinnen absolut beängstigend finden, ist für andere die Existenz einer schlafenden Gottheit unter dem Meer fürchterlich. So kann für den einen der Film Arachnophobia Horror sein, während ein anderer ihn als schrägen Tierfilm abtut.

Angst und Furcht sind Begriffe, die man mit Horror verbindet. Nebenbei bemerkt habe ich viele interessante Artikel zur Unterscheidung von Angst und Furcht im Deutschen und in anderen Sprachen gefunden, das ist aber ein Thema für einen eigenständigen Beitrag. Bleiben wir erst einmal bei dem Begriff Angst. Muss Horror immer Angst auslösen?

Nein und das ist vielleicht einer der größten Irrtümer, dem manche unterliegen. Wer kennt nicht solche Aussagen wie: Das ist ja kein Horror oder das ist kein richtiger Horror? Die Intention ist hier wohl weniger Gatekeeping und nur manchmal, um verbal anzuzeigen, was für ein harter Knochen man ist. Menschen haben unterschiedliche Blickwinkel auf bestimmte Dinge, Beispiel Arachnophobia,.

Horror kann aber, wie oben in der Definition geschrieben, auch ein Gefühl der Abscheu oder des Widerwillens sein. Der Film Saw (oder die Reihe) ängstigt einen vielleicht weniger, als dass man die Vorstellung sehr ekelhaft findet, wie sich jemand ein Körperteil absägt oder das Blut oder die Infektionsgefahr und ich will es damit nicht ins Lächerliche ziehen. Der Film kann auf mehreren Ebenen funktionieren. Ich finde allerdings alle langweilig. Und ja, ich würde auch sagen, das ist kein Horror, das ist Crap. Und ich will nicht gatekeepen oder den harten Knochen raushängen lassen, ich sage es, weil ich es so empfinde.

Also ein ganz wichtiger Punkt: Horror ist, was wir für Horror halten. Ganz individuell.

Kann man trotzdem einen Punkt festmachen? Also den kleinsten gemeinsamen Nenner, etwas, das Horror definitiv enthalten muss? Vielleicht.
Was unterscheidet Hitchcocks Die Vögel von der besagten Mückenplage oder deutlicher: Hannibal Lecter vom Kannibalen von Rotenburg?
Die Fiktion! Es passieren viele schreckliche Dinge auf dieser Welt, die wir umgangssprachlich als Horror bezeichnen, einfach, weil uns vielleicht die Superlative für derartige Ereignisse ausgegangen sind. Wir können aber unterscheiden zwischen Realität und Fiktion. Der Tod eines geliebten Romanhelden wird uns nie so mitnehmen, wie der eines Bekannten. Auch wenn wir in beiden Fällen Trauer empfinden.

So ist es auch mit dem Schrecken. Überdies gehört Horror rein als Sparte des kulturellen Schaffens zur Phantastik und die ist per Definition fiktional. Die Begründung ist jetzt lahm, ich weiß…

Warum konsumieren wir dann überhaupt Horror? Eigentlich müssten doch die Nachrichtensendungen reichen. Jeden Abend eine kleine Dosis menschlicher Eskalation mit räumlicher und emotionaler Distanz und eine ganze Film- und Literatursparte wäre überflüssig? Vielleicht aus dem Grund, der Leute dazu veranlasst keine Achterbahn auszulassen und trotzdem nicht auf der Autobahn Schlangenlinien zu fahren. Schrecken ohne wirkliche Gefahr, Kribbeln ohne Reue. Wirkliche Ereignisse, so fern sie auch sein mögen, nehmen uns mehr mit als fiktive. Unser Hirn kann das schon richtig einordnen, der Körper braucht mitunter eine Weile. Ich habe das einmal selbst erlebt. Also eine körperliche Reaktion. Ganz anderes Genre. Bei dem Buch Feuchtgebiete kam mir das ein oder andere Mal der Würgereiz. Ein gängigeres Beispiel für die meisten sind wohl sehr emotional aufgeladene Filme, bei denen die Tränen kullern. Gefühle sind immer echt, auch wenn es die Auslöser nicht zwangsläufig sein müssen. Nur denke ich, können wir fiktive Quellen besser verarbeiten. Meistens.

Wir lesen also ein Buch, sehen einen Film, um uns selbst ein angenehm gruseliges Gefühl über den Rücken zu jagen, wohl wissend, dass wir in Sicherheit sind.

Aus diesem Grund spielen manche auch Spiele wie Call of Cthulhu. Ich nenne es stellvertretend für alle Spiele des Genres, hier aber auch speziell als Pen&Paper. Persönlich war ich nie so tief in einer Runde drin, dass es mir die Haare aufstellte. Auch in atmosphärisch stimmigen Sessions. Dennoch weiß ich, dass Bilder im Kopf entstehen können, die unweigerlich zu einem unangenehmen Gefühl bei dem Spieler führen. Jemanden, der unter Arachnophobie leidet (ich verwende leidet, weil es für den betroffenen wirklich schlimm sein kann), kann man kein Abenteuer mit Spinnen vorsetzen. Der Grad zum Unangenehmen ist dann überschritten. Das kann aber auch bei weniger offensichtlichen Inhalten sein. Blut, Fäkalien, Tierquälerei. Die Grenze, bei der etwas schön schaurig ist oder zu einer unangenehmen Situation wird, ist individuell und muss bei Spielen vorher abgeklärt werden.

Dabei hat der lovecraftsche- oder kosmische Horror gute Voraussetzungen. Er ist sehr selten explizit und bei Pen&Paper-Runden kann der Spielleiter ihn ohnehin lenken. Zum Beispiel, was den Schlittenhunden in der Kampagne Berge des Wahnsinns widerfährt, beispielhaft zum Thema Grausamkeit gegenüber Tieren und wie man sie darstellt. Es braucht kein Blutbad, um die Geschichte voranzubringen. Ich bin grundsätzlich kein Freund ausschweifender Beschreibungen von Gewaltexzessen. Zugegeben, manchmal mag etwas Splatter auch situationsbedingt witzig sein oder halloweenmäßig irgendwie dazugehören. Aber ich erinnere mich allerdings noch an das Buch Willkommen in Hell, Texas von Tim Miller. Ich hab es  nach der ersten ausführlichen Beschreibung einer Vergewaltigung entsorgt. Ich war etwas überrascht, dass Bücher, die aus einer Aneinanderreihung von Schmutz bestehen, eine derartig gute Bewertung haben. Gibt es eine objektive Abgrenzung von guten und schlechten Gewaltdarstellungen? Oder wie weit darf etwas gehen, um nicht als geschmacklose Torture-Porn-Grütze zu gelten?

Horror ist also ein persönliches Empfinden von Schauer oder Abscheu, er ist fiktional oder wir ordnen ihn zumindest so ein, um ein wohliges Gefühl zu bekommen.

Ich komme also zu der Definition, die ganz oben steht nur mit viel mehr Wörtern…
Und was zeichnet den kosmischen Horror aus? Das ist ein Thema für einen anderen Artikel…