Twittertrends

Sind Twittertrends nicht großartig? Eigentlich immer, aber selten will ich mich dazu äußern. Falsch, eigentlich, immer, aber das Alter hat mich gelehrt, öfter einfach mal die Klappe zu halten. Das Twittergame ist so aufgebaut wie die Talkshows der 90er: Trashige Titel/Hashtags und unterirdische Meinungen, die polarisieren/trollen sollen. Hat damals schon funktioniert.

Ich bin auf Twitter und es gibt natürlich auch guten Content. Das ist immer noch eine der Stärken des Netzwerkes: Vielseitigkeit. Trotzdem verfolge ich ebenso gerne Shitstorms, ausgelöst durch Nichtigkeiten. Aktuell brennt das Vogelhaus, weil Elon Musk Twitter kaufen will. Angeblich will er es privatisieren (!) also von der Börse nehmen. Einige Netzpolitiker machen mir überhaupt richtig viel Spaß, wenn sie nämlich Musk die charakterlichen Eigenschaften absprechen, ein derart wichtiges Netzwerk zu betreiben.
Der wesentlich größere und relevantere Meta-Konzern sei ja wenigstens an der Börse und somit einem Check & Balance unterworfen… Ich spare es mir, auf diesen Unsinn weiter einzugehen.

Twitter ist und wird nach der Übernahme ein Privatunternehmen sein, sofern Twitter ein öffentliches Netzwerk ist, wird es sich an die bisher geltenden Gesetze halten müssen. Intern gelten die AGBs und Verhaltensregeln, die das Unternehmen bisher schon eigenverantwortlich auslegen kann. So wurden Leute aus allen politischen Lagern kurz oder lang gesperrt. Was also sollte sich ändern?

Interessant ist dann der Trend Mastodon. Ich mag die Technik von Mastodon wirklich. Das Ganze ist super, aber schon mal daran gedacht, dass eigentlich alle Instanzen privat betrieben und von Amateurmoderatoren administriert werden? Das klappt in den meisten Fällen auch und man kann zur Not als Nutzer mit seinem Account umziehen.
Trotzdem bleibt ein schales Gefühl, wenn ich an den Fall von mastodonten.de denke. Der Instanzbetreiber hat vielleicht bei einer Moderation falsch reagiert und wurde digital an den Pranger gestellt. Die Instanz wurde kurze Zeit später eingestellt. Das Fediverse ist ein Spielplatz, auf dem nicht jeder spielen darf. Es gibt Schmuddelkinder und die Großen zeigen mit den Finger auf sie.

Dazu muss man aber auch sagen, selbst wenn Twitter nachgelassen hat, gibt es mehr interessante Accounts bei Twitter als alle Nutzerkonten auf Mastodon und Co zusammen. Ich finde, jeder sollte Mastodon ausprobieren und dem Fediverse eine Chance geben, ich gab ihm bereits so viele und wurde nie warm damit. Soll ja aber nichts heißen.
Tatsächlich bin ich auf tumblr recht zufrieden und sollte ich Twitter verlassen, hab ich hier alles, was ich brauche.